SCHWENK & SEGGELKE Klarinettenbau | Pflegemittel und Tipps

Pflegemittel & Tipps

Die Lebensdauer eines Holzblasinstruments ist wesentlich von der sorgfältigen Pflege durch den Spieler sowie von der fachgerechten Wartung in der Werkstatt (Link Service) abhängig. Um mögliche Schäden zu vermeiden oder sie so gering wie möglich zu halten, haben wir hier einige Hinweise und Tipps zusammengetragen. In Videoform finden Sie auch viele Pflegetipps in unseren Clarinet-Hacks. Sollten Sie Fragen dazu haben, zögern Sie nicht, uns diese zu stellen!

Einspielen von neuen Instrumenten

Damit das Instrument mit möglichst wenig Druck zusammengesteckt werden kann, sollten die Zapfenkorken regelmäßig mit Korkfett eingerieben werden. In den ersten 8 bis 10 Tagen sollte das Instrument immer nur für kurze Zeit gespielt werden, damit sich das Holz an die ab nun auftretende Belastung anpassen kann. Nach dem Spielen muss das Instrument immer auseinander gebaut und die Innenbohrung sorgfältig ausgewischt werden. Auch Wasser, das sich in den Zapfenherzen angesammelt hat, muss mit einem Tuch ausgewischt werden. Den Deckel des Etuis noch einige Zeit offenlassen, damit das Holz (Innenbohrung) vollständig trocknen kann.

Lagerung des Mundstücks

Mundstücke aus Kautschuk können dazu führen, dass die Versilberung der Klappen und Ringe chemisch reagiert und dadurch das Silber dunkel anläuft. Bitte bewahren Sie deshalb das Kautschuk Mundstück – besonders am Anfang – getrennt vom Instrument auf. Wird es in den Koffer gelegt dann sollte es unbedingt in einer luftdichten Plastiktüte verpackt werden. Bei regelmäßiger Benutzung des Mundstücks, hört diese Reaktion nach einiger Zeit auf.

Ölen des Instruments

In regelmäßigen Abständen, zum Beispiel alle drei Wochen, spätestens wenn die Holzoberfläche der Innenbohrungen eine gräuliche Farbe angenommen hat, sollten die Innenbohrungen von Birne, Ober- u. Unterteil, sowie die Stirnseiten in den Herzen und an den Zapfen mit einem dünnen Film aus Leinöl überzogen werden.
Die Bohrung muss dazu absolut trocken sein. Nach dem Spielen müssen Sie also mindestens vier Stunden abwarten, bevor Sie ölen. Wenn das Instrument längere Zeit nicht gespielt wurde, kann das Ölen auch vor dem Spielen gemacht werden.
Zum Ölen kann man einen alten Stabwischer aus Seide benutzen, auf den man einige Tropfen Öl gibt und dieses gleichmäßig in den Bohrungen verteilt. Für die Stirnseiten können Wattestäbchen benutzt werden. Wichtig: Das Öl sollte nicht an die Polster gelangen, sie werden dadurch unbrauchbar. Jochen Seggelke erklärt das auch in der ersten Folge der Clarinet-Hacks.

Pflege der Mechanik

Die versilberten Mechanikteile nach dem Spielen unbedingt mit einem Baumwolltuch abreiben, damit der darauf befindliche Handschweiß (er enthält auch geringe Mengen von Säure) die Silberschicht nicht angreifen kann. Zum Polieren kann nach Bedarf ein Silberputztuch verwendet werden. Zum Entfernen von Staub zwischen den Mechanikteilen kann ein weicher Kosmetikpinsel benutzt werden.
Alle beweglichen Mechanikteile sind mit Stahlschrauben gelagert, einige Tropfen Mechaniköl (säurefrei), alle 5 bis 6 Monate, verhindert deren Festsitzen. Dabei wieder darauf achten, dass kein Öl an die Polster gelangt.

Anmerkungen zum Thema Holzbehandlung und Risse

Auch bei größtmöglicher Sorgfalt beim Verarbeiten und Einspielen eines Instrumentes aus Holz, kann es vorkommen, dass Risse entstehen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und zumeist in der Natur der Sache begründet: Holz lebt, vorausgesetzt man erhält es lebendig.
Um den Klang eines Blasinstrumentes aus Holz optimal zu erhalten, ist es notwendig, dass das Material am Schwingungsprozess beteiligt wird. Auf das Korpusmaterial wirken verschiedene Kräfte gleichzeitig ein:

  • Die Luftfeuchtigkeit (eher Lufttrockenheit) und Temperatur des Raumes, in dem sich das Instrument befindet.
  • Die Atemluft des Bläsers, die im Instrument kondensiert, weil sie wärmer und feuchter ist, als die Umgebungsluft
  • Die Schwingung der Luftsäule, und dadurch die Körperschwingung
  • Der Klappenmechanismus, vor allem die Säulchen die sich im Korpus befinden.

Würde der Klang für das Instrument eine untergeordnete Rolle spielen, könnte man das Holz so denaturieren, dass es sich annähernd neutral verhält – also wie Kunststoff. Das kann durch Ausfüllen der Xyleme mit Harzen und Ölen geschehen, die mittels Vakuums ins Holz eingearbeitet werden. Ölbäder über lange Zeiträume können die Poren komplett verschließen, ebenso wie das Lackieren der Innen- und Außenseite des Holzes ein Eindringen von Feuchtigkeit komplett verhindern kann. Die Oberfläche eines so behandelten Holzkorpus sorgt dafür, dass er die Klangfarbe fast nicht beeinflusst.
Wir möchten, dass das Material die Klangfarbe mit beeinflusst, daher behandeln wir unsere jahrelang naturgetrockneten Tonhölzer auch offenporig.
Die auf der leicht rauen Innenbohrung entstehende Kondensationsfeuchte bildet kaum „Seen“, sondern kleinste Tröpfchen, ähnlich dem „Lotus-Effekt“ bei Blättern mancher Pflanzen. So wird das Innenvolumen bei langem Blasen nicht verändert, und evtl. aufgenommene Feuchtigkeit gibt das Holz im Ruhezustand wieder ab - es kann atmen!

Mit zunehmendem Alter wird die Amplitude, die das Holz mit Quellen und Schrumpfen beschreibt, immer kleiner. Regelmäßiges Ölen mit Leinöl hilft, das Holz vor dem „Auswaschen“ zu schützen. Das ist vor allem in der ersten Zeit (ca. 4 bis 6 Wochen bei regelmäßigem Spiel) mit einem neuen Instrument zu beachten.
Sollte es doch einmal zu einer Rissbildung kommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Meist genügt es, nach Entfetten des Risses, diesen mit Cyanacrylat und Holzmehl aufzufüllen. Bei Tonlöchern, die von einem Riss passiert werden, kann man Kautschuk-Einsätze verwenden.
Wichtig für den Spieler ist: solange die Dichtigkeit des Instrumentes gewährt ist, sind keine Einbußen zu befürchten. Bei größeren Rissen an problematischen Stellen ist es sinnvoll, das gerissene Korpusteil ganz zu ersetzen und die Mechanik des alten Stückes auf das neue zu übertragen. Danach muss das Instrument wieder vorsichtig eingeblasen werden.
Wir versuchen mit der von uns gewählten Holzbehandlung einen optimalen Kompromiss aus klanglichem Resultat und Haltbarkeit zu gehen.

Hinweise für die kalte Jahreszeit!

Nach einem langen und schönen Sommer, der für das Holz Ihrer Instrumente sehr unproblematisch war, ist die Heizperiode und der Wechsel zwischen trockener warmer Raumluft, kalter Luft, Außentemperaturen unter 10 Grad usw. ist für den Klarinettenkorpus eine Herausforderung.
Helfen Sie Ihrem Instrument und erhalten Sie dessen Wert durch wenige bewusste Handlungen:
Vor dem Spielen das Oberstück und die Birne gut anwärmen, aber von außen und nicht durch hineinblasen. Ein kaltes Rohr lässt die warme und feuchte Atemluft schneller kondensieren!
Nach den ersten 10 Minuten den Durchzieh-Wischer benutzen, und das entstandene Kondensat auswischen, besonders zwischen Birne und Oberstück sammelt sich viel Feuchtigkeit, diese einfach ausklopfen oder -wischen.
Nach dem Spielen das Instrument auseinander bauen und die Feuchtigkeit aus der Bohrung und den Tonlöchern entfernen (ausblasen). Außerdem empfehlen wir Papier (z.b. für Kaffeefilter oder Zigaretten) zwischen Polster und Tonloch zu klemmen. Der Korpus kann damit langsam austrocknen, es bleibt kein Feuchtestau um das Tonloch.
Außerdem empfiehlt es sich, das Etui in der kalten Jahreszeit zusätzlich in ein Tuch (Handtuch) einzuwickeln. So lassen sich auch mechanische Störungen (Festsitzen der Klappen) vermeiden. Außerdem sollten Sie das Instrument möglichst nicht in der Nähe von Heizkörpern abstellen.
Kurze Regel: Nach dem Spielen die Klappen öffnen und das Instrument auseinandergebaut ins Etui legen.
Bei Einhaltung dieser Vorschläge wird Ihr kostbares Instrument ohne Beschädigung die kältere Jahreshälfte überstehen!



Sie haben weitere Fragen oder besondere Anforderungen?
Schreiben Sie uns, oder rufen Sie uns an!