SCHWENK & SEGGELKE Klarinettenbau | Nachbauten historischer Instrumente

Nachbauten historischer Klarinetten

Wie hat eine Klarinette kurz nach ihrer Erfindung ausgesehen? Kann man darauf spielen? Warum hat Mozart für Bassettklarinette in A komponiert? Was ist eine Clarinette d'amour? Was ist so schön am Klang einer Klarinette aus Schumanns Zeit? Warum hat Brahms als alter Mann die schönsten Werke für Klarinette geschrieben? Diese und andere Fragen können Sie leicht beantworten, wenn Sie sich mit unserem Sortiment an Nachbauten historischer Klarinetten vom frühen 18. Jahrhundert bis zum späten 19. Jahrhundert beschäftigen. Alle diese Instrumente werden unter anderem vom Ensemble "Clarimonia" in Konzerten, Workshops und bei CD- Produktionen eingesetzt, und sind praxiserprobt. Klangbeispiele finden Sie auf den CD's von Clarimonia, und mit immer mehr namhaften Solisten aus der ganzen Welt.

Klarinetten Anfang 18. Jh., a = 415 Hz

Der Nachbau des Instrumentes von Jakob Denner aus dem germanischen Nationalmuseum in Nürnberg repräsentiert eine der frühesten Klarinetten.

Jakob Denner (1685-1735) ist der älteste Sohn von Johann Christof Denner (1655-1707) und war so an der Entwicklung der Klarinette direkt beteiligt. Obwohl der Schnabel noch recht breit ist (zylindrisch bis zur Spitze), ermöglicht die kurze, offene Bahn ein müheloses Blasen im Clarin-Register. In dieser Lage ist der Klang des Instrumentes dem der Naturtrompete durchaus ähnlich.

Auf Klarinetten dieser Art können "Clarino"-Stimmen leicht ausgeführt werden, die Konzerte von Johann Melchior Molter stellen herausragende solistische Literatur dar.

G.F. Händel: Overture in D (Ausschnitt)

Das Original zu unserer C-Klarinette nach Jakob Denner steht im Musikinstrumentenmuseum in Berlin. Der Stimmton des Instrumentes liegt etwa um 440 Hz, so dass wir das Oberstück und rechte Handstück etwas verändert bauen, um das Instrument auch im heute üblichen barocken Stimmton von 415 Hz anbieten können.

Wir vermuten, dass der Stimmton einen Hinweis auf die Verwendung des Instrumentes geben kann. Möglicherweise diente es zur Nutzung in der Kirchenmusik und war auf die Chortonstimmung einer Orgel angepasst.

Klarinetten Ende 18. Jh. bis Anfang 19. Jh., a = 430 Hz

5 Klappen
6 Klappen + Doppelloch für cis'
8 Klappen

Die Firma Bühner & Keller aus Straßburg bestand etwa 1802-44. In der Fagott-Schule von Ozi wird auf ihre Instrumente verwiesen.

Diese C-Klarinette ist äußerlich vergleichbar mit der von Baumann (Paris, 1772-1845), hat jedoch eine typisch deutsche Bohrung mit spät beginnendem Konus, und dadurch einen sehr vollen und weichen Klang. Das Original hat 5 Klappen. Wir bieten es, je nach Wunsch, mit bis zu 8 Klappen an. Das Instrument hat eine hervorragende Intonation und ist leicht zu blasen, auch im Wechsel mit B- oder A-Klarinette.

J. Pranzer: Trio C-Dur (Ausschnitt)

5 Klappen, Doppelloch für cis'
in B mit Wechselstück nach A (auch in 420 Hz)

Diese frühe fünfklappige Klarinette weist als Besonderheit den nicht vom Unterstück getrennten Schallbecher auf. Das Originalinstrument ist in einer Privatsammlung erhalten, Birne und Mundstück fehlen und sind ergänzt worden. Charakteristisch ist die dünne Wandstärke der Mittelstücke mit sehr kleinen, weit auseinanderliegenden Tonlöchern.

Die Bohrung ist mit 14,55 mm als relativ weit zu bezeichnen. Das Originalinstrument stammt aus dem letzten Viertel des 18. Jahrh. und markiert den Übergang von der 4- Klappenklarinette der frühen Klassik zum 5-klappigen Instrument der Wiener Klassik.

Die Nähe der Werkstatt Frölichs zur Würzburger Residenz lässt vermuten, daß der berühmte Würzburger Klarinettenvirtuose und -lehrer, Phillip Meissner (1748-1816) die Instrumente kannte und vielleicht sogar verwendete.

Ph. Meissner: Duo concertant op 4. (Ausschnitt)

7 Klappen
9 Klappen
11 Klappen
Bassettunterstück zur A-Klarinette

Heinrich Grenser (1764-1813) übernahm im Jahr 1796 die Werkstatt seines Onkels August Grenser in Dresden. Unser Nachbau bezieht sich auf die Instrumente aus dem Musikinstrumentenmuseum in Markneukirchen in A und B.

Virtuosen wie z. B. Hendrik Crusell und Ivan Müller spielten auf Klarinetten von Heinrich Grenser. In ihrer Anlage noch der klassischen 5-klappigen Klarinette nahe, ermöglicht der starke Korpus und die sichere Intonation auch auf schwierigen Halbtönen aber schon die Interpretation der Werke von Weber, Mendelssohn u.a.

K. Kreutzer: Trio (Ausschnitt)

N. W. Gade: Fantasiestücke für Clarinette und Pianofort
(Klarinette in B; aus der CD "Musikalische Morgenunterhaltung")

R. Schumann: Romanze Nr. 1, aus op. 94
(Klarinette in A; aus der CD "Musikalische Morgenunterhaltung")

Die Bassettklarinette (in A, B oder auch C) ist das dem Bassetthorn ähnliche Instrument, für welches Mozart sein Klarinettenquintett KV 581 sowie das Klarinettenkonzert KV 622 komponierte, das heute nur in rekonstruierter Fassung vorliegt. Die Bassettklarinette wurde ~1788 von dem Wiener Hofinstrumentenmacher Theodor Lotz zusammen mit Mozarts Freund Anton Stadler (1753-1812) entwickelt. Wie beim Bassetthorn üblich, erweiterten sie den Tonumfang um eine große Terz nach unten, verwendeten aber alle Halbtonschritte, so dass 4 Klappen notwendig waren. Die Bassetthörner aus der Zeit sind diatonisch und haben eine zweifach gewinkelte Bohrung, während die kürzere Bassettklarinette noch gestreckt gebaut werden kann. Die tiefsten Passagen des Konzertes wurden nach Mozarts Tod nach oben oktaviert, um es auf der verbreiteten A-Klarinette spielen zu können.

Nachdem kein Originalinstrument zur Vermessung vorhanden ist, haben wir unsere Bassettklarinette nach umfangreichen Studien nach einer Originalzeichnung des Instrumentes von Theodor Lotz angefertigt. Diese Zeichnung befand sich auf einem Programmzettel einer Konzertreise Stadlers, im Jahre 1798 in Riga, auf dem er sowohl als Erfnder als auch als Virtuose aufgeführt wurde. Das Instrument ist mit einer Art Liebesfuß ausgeführt, wie er auch bei einigen Bassetthornmodellen gebaut wurde. Grundlage unseres Nachbaus ist die A-Klarinette nach H. Grenser, Dresden. Ähnliche Instrumente wurden z. B. in den Werkstätten von Johann Benjamin Eisenbrandt, Göttingen (vor 1822) und von Johann Georg Braun, Mannheim (zwischen 1816 und 1833) in unterschiedlichen Stimmungen gefertigt.

Eine preisliche Alternative zu dieser Bassettklarinette bietet unser historisches Bassettunterstück, welches bei der A-Klarinette unterhalb der 3 Fingerlöcher der rechten Hand eingesetzt wird. Auch wenn es ein besonderes Erlebnis ist, die Musik auf einem passenden Instrument aus der Zeit zu spielen, bietet SCHWENK&SEGGELKE die Bassettklarinette auch als Instrument in moderner Bauweise an. Auch hier gibt es als kostengünstige Alternative ein Bassettunterstück zu ihrer Klarinette.

W. A. Mozart: Klarinettenkonzert A-Dur, 3. Satz
(aus der CD "Mozart 1791" mit Charles Neidich

Der Sohn mit selben Namen Friedrich Hammig übernahm die Werkstatt des Vaters etwa um die Wende zum 19. Jahrhundert. 1792 stellte der Vater ein "neues Bassetthorn" vor und in dieser Form wurde das Instrument auch vom Sohn weitergebaut. Das Vorbild für diese Kopie befand sich in der Sammlung von Buffet-Crampon in Mantes-LaVille Frankreich. Es ist mit zwei unterschiedlich langen Birnen und Oberstücken erhalten, das fehlende Mundstück wurde ergänzt. Das erhaltene Instrument verfügt über sechs Klappen und zwei Bassettklappen für Tief-D und -C. Wir bauen dieses Instrument mit bis zu neun Klappen und drei Bassettklappen nach.

CD Clarimonia Mozart etcetera: Mozart Serenade I KV439b, Allegro (Ausschnitt)

Klarinetten 19. Jh., a = 438-440 Hz

13 Klappen
langjährig gelagerter Buchsbaum

Die Werkstatt von Kayser (1809-1890) befand sich zu seiner Zeit auf dänischem Boden. Daher sind die Instrumente vor allem in Dänemark und auch in England relativ bekannt geworden. Sie eignen sich besonders für die Musik von Robert Schumann, den frühen Johannes Brahms, Nils Gade, und die Opernliteratur bis etwa 1860/70. Originale Instrumente findet man vor allem in Norddeutschland und Skandinavien, aber auch in Mitteldeutschland.

Korpus frz. Buchbaum, ca. 80 Jahre gelagert
19 Klappen
Neusilber, auf Wunsch vergoldet
2 Birnen, 438-440 Hz

Carl Baermann in seiner Klarinettenschule aus dem Jahre 1860/61 - Ausgabe 1917 - Band la ED 502 a:

"Da trat der Königlich-bayerische Hofmusikus Theobald Boehm mit seiner neuen Flöte auf und gab durch sein System eine ganz neue Richtung an. Demselben bin ich nun selbst nach unparteiischster Prüfung aller neuen Erfindungen aus innerster Ueberzeugung soweit gefolgt, als ich es ohne Nachteil für den Charakter des Instrumentes und ohne, dass das früher Leichte erschwert wurde, anwenden konnte. So ist nun die Klarinette mit Hilfe des wirklich ausgezeichneten und fachmännisch gebildeten Instrumentenmachers Georg Ottensteiner in München in der Form entstanden, wie sie nachstehend abgebildet steht. Ein vollkommenes Instrument mit absolut reiner Stimmung gibt es ebensowenig, als es möglich wäre, ein in dieser Beziehung vollkommenes Klavier herzustellen und abzustimmen, Dies wird jeder Musiker einsehen, der den Unterschied zwischen einem Kreuz und einem B kennt, denn das Cis ist z.B. als große Terz von A-Dur sehr verschieden von Des, als der kleinen Terz von B-moll."

Ein solches Instrumentenpaar findet sich im Besitz von Richard Mühlfeld, heute den Meininger Museen, Sammlung Musikgeschichte, zur Verfügung gestellt. Mit ihrer großen Tradition stehen diese Instrumente heute für den interessierten Klarinettisten stellvertretend für die Aufführungspraxis der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Unsere Nachbauten halten sich eng an die vorgegebenen Originalabmessungen. Wir verwenden Buchbaum aus unserem eigenen über Jahrzehnte gelagertem Bestand. Neue Richtlinien der EU in Bezug auf Bestandteile im Neusilber (CuZnNi) lassen es nicht mehr zu, eine Mechanik aus diesem Material nur poliert zu bauen – wie es beim Originalinstrument der Fall war. Wir bieten die Mechanik auf Wunsch vergoldet oder versilbert an. Mundstücke werden aus Grenadillholz oder Kautschuk von Hand nach dem Original gefertigt.

R. Stark: Trio g-moll (Ausschnitt)

CD Clarimonia Twilight: Joseph Friedrich Hummel Trio Nr. 2 (Ausschnitt)

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